DTV-Pilotprojekt: Disco-Fox und Salsa als Turniertänze I

DTV-Pilotprojekt D+C+

-Pilotprojekt D+/C+ - Von der Idee in die Wirklichkeit

Das editorial des aktuellen Tanzspiegels ist besonders umfangreich ausgefallen. Auf einer Contra und Pro Seite sind Positionen zum DTV-Pilotprojekt – “D+/C+ -Turniere einführen” – aufgelistet.

Bei dem Pilotprojekt geht es um die Addition von (im Latein-Bereich) und Disco-Fox (im Standard-Bereich) zu den bisherigen Tänzen in der D- und C-Klasse. Diese D+ und C+-Turniere sollen dann zusätzlich zu den bisherigen Turnieren angeboten werden. Die Zielsetzung des DTV-Pilotprojekts: DTV-Turniere sollen attraktiver werden.

Da das editorial nicht online auf den Seiten des DTV / Tanzspiegel zur Verfügung steht hier einige Auszüge in der offiziell gewählten Reihenfolge: Erst der Contra-Artikel, dann der Pro-Artikel. Nicht nur diese Reihenfolge ist ungewöhnlich …

CONTRA – Gute Idee, schlechte Ausführung

Autoren: Wulf Bittner / Constanze Lienert
in: Tanzspiegel 8/2011 – editorial

Im Rahmen einer Lizenzerhaltsschulung für Turnierleiter .Bei­sitzer in Hessen wurde das Pilotprojekt D+/C+ vorgestellt. Das Projekt wurde von vielen Anwesenden als untauglich bewertet und ein Scheitern prognostiziert. Die Intention, sich für Neues zu öffnen, neue Anreize zu schaffen und den Verband für die Zukunft erfolgreich aufzustellen, wird so nicht erreicht werden. Gleichzeitig werden zwei beliebte und im Rahmen eines prak­tikableren Modells sicherlich geeignete Tänze (Salsa und Discofox) für den Turnierbetrieb des DTV quasi dauerhaft „verbrannt”.

Der Ansatz des Verbandes, neue Ideen zugunsten unseres ge­meinsamen Sports zu entwickeln, ist anerkennens- und unterstützenswert – die Modelle müssen aber geeignet sein. Der Vor­schlag der Arbeitsgruppe Sport ist leider völlig untauglich. Es ist auch mehr als zweifelhaft, dass Vereine, Paare und Trainer das vorgeschlagene Modell unterstützen werden. Damit ist das Projekt schon jetzt eine Totgeburt. Dabei ist eine Veränderung der bewährten Strukturen bei Standard und Latein gar nicht notwendig, denn die Autnahme zusätzlicher Turniertänze kann viel besser und mit deutlich höherem Erfolgspotential auch anders geschaffen werden.

Der Gegenvorschlag

Die Autoren des mit “Contra” überschriebenen Artikels bleiben keineswegs bei einer Ablehnung stehen: Sie schlagen vor, eine neue Turnierart einzuführen, die verschiedene neue Tänze zusammenführt:

Ein solches Modell könnte grob skizziert wie folgt aussehen: Einführung einer neuen Turnierart („Mix”‘); darin Zusammenfas­sung verschiedener Tänze, die als zukünftige Turniertänze in Frage kommen, also Discofox und Salsa, aber ggfs. auch weite­re. Ein denkbarer Durchführungsmodus wäre ähnlich der alten E-Klasse, d. h. jeder Tanz als Einzelturnier im Turnier; jedes Paar tanzt nur die Tänze, die es möchte. Ggfs. könnte überlegt wer­den, es dem Ausrichter zu überlassen, welche Tänze im Turnier angeboten werden sollen. Die Altersgruppen sollten nicht be­schränkt werden (Discofox ist z. B. bei Senioren sehr beliebt). Zu klären wären sicher auch die in Frage kommenden Leistungs­klassen, ggfs. könnte man sich hier an die im TAF geltenden Strukturen anlehnen. (Quelle: a.a.O.)

Die Abwägung: Neue Turniertänze ja/nein

Was am Anfang wie eine harsche Kritik klingt, wurde als Kritik von den Autoren Details weiter differenziert. Wer mit der Darstellungsart einer “Executive Summary” vertraut ist, wird diese Art der Darstellung kennen und schätzen. (Für die Darstellung im Tanzspiegel hätte sich aber m. E. nochmals eine Änderung der Textstruktur angeboten.) Also nun zu den Details, in denen – wie allgemein bekannt – ja normalerwese der Teufel steckt:

Warum ist eine solche Lösung dem Vorschlag der Arbeitsgrup­pe Sport vorzuziehen?

  1. Turnierpaare, die zusätzlich Salsa und/oder Discotox tan­zen möchten, sollten dies tun können; die Idee an sich ist gut. Eine zusätzliche Turnierart hat den Vorteil, dass mög­liche Interessenten nicht gezwungen werden, auch Stan­dard und/oder Latein tanzen zu müssen, zumal die „Klien­tel” häutig eine ganz andere ist. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass man ggfs. auch weitere Tänze (z.B. Tango Argen-tino, Boogie Woogie) aufnehmen könnte.
  2. Jeweils fünf Tänze in der Standard- und Lateinsektion sind genug. Nicht ohne Grund ist auch die Anzahl der Tänze in unteren Klassen reduziert. Es ist unsinnig, einen zusätz­lichen Tanz (wenn auch nur “plus”) aufzunehmen, der ab der B-Klasse wieder entfällt und somit praktisch umsonst trainiert und mit Verbesserung der tänzerischen Fähigkeiten wieder aufgegeben werden muss.
  3. Die offenbar diskutierte Überlegung, Discofox und Salsa gegen aktuelle Turniertänze der Standard-/Lateinsektion auszutauschen, ist so absurd, dass man darauf nicht näher eingehen muss.
  4. Salsa ließe sich zwar ggfs. erfolgreich in die Lateinsektion integrieren (ähnliche Techniken, ähnliche Musik, ähnliche Turnierkleidung usw.). Für Discofox gilt dies aber nicht, denn er passt in keiner Weise in die Standardaktion Tanz­haltung, Fußtechnik, Bewegungstechnik, Bewegngsform), sondern wäre sogar eher für die Lateinsektion “geeignet”. Dies stellt Turnierpaare zum Beispiel vor das Problem, in der gleichen Turnierart zusätzlich völlig fremde Bewegungsformen erlernen zu müssen – was die Attraktivität eines ent­sprechenden zusätzlichen, aber langfristig “nutzlosen” Trai­nings nicht gerade erhöht. Im schlimmsten Fall werden sogar negative Effekte auf die Qualität der trainierten Standardtänze bewirkt.
  5. Trainer der Turnierarten Standard und Latein dürften (bei sicherlich existierenden Ausnahmen) wenig geeignet sein, Turnierpaare adäquat auch auf Salsa bzw. Discofox vorzu­bereiten. Man benötigt auch hierfür Spezialisten. Erschwe­rend kommt hinzu, dass es keine festgeschriebene Tanz­technik gibt.
  6. Die gleiche Situation besteht im Wertungsrichterbereich. Ein Schulungswochenende mit jeweils 7 LE wird diesen Sachverhalt nur unwesentlich ändern. Statt eines „Rundum­schlages”, dem sich praktisch alle aktiven Wertungsrichter unterziehen müssen, sollte man lieber wirklich interessierte Personen gezielt und ausreichend zu „Spezialisten” weiter­bilden.
  7. Der “Spezialistenansatz” bei Trainern und Wertungsrichtern erleichtert auch die Organisation des Trainingsangebots in den Vereinen und die Einsatzplanung von Wertungsrichtern. Hinzu kommt, dass weder Trainer noch Wertungsrichter gezwungen werden sollten, ggfs. gegen eigene Interessen und Fähigkeiten tätig werden zu müssen (oder aufzuhören). Im Grunde lässt sich ein solcher Ansatz aber nur mit einer zusätzlichen Turnierart realisieren.
  8. Im Vergleich zu den genannten gravierenden Nachteilen eher ein Randaspekt, allerdings mit erheblichen Auswirkun­gen auf die Turnierdurchführung: Bei Discotox stellt sich nicht nur das Problem der fehlenden Verwandtschaft mit den Standardtänzen, sondern in der Praxis auch die Frage der Turnierkleidung. Soll Discotox in Standardkleidung getanzt werden? Falls nein, müssen sich die Paare wohl umziehen. In jeder Runde erneut? Falls ja: die Standardklei­dung von Dame und Herr ist zum Beispiel nicht geeignet, die Discofox-typischen Wickelfiguren zu tanzen.
  9. Der Kostenaspekt: Die Einführung neuer Turniertänze, Tur­niermodalitäten, etc. ist unbestreitbar mit Kosten auf Seiten der Vereine, der Paare, der Trainer und der Wertungsrichter verbunden. Eine solche zusätzliche Belastung muss aber auf diejenigen beschränkt werden, die sich für Discofox und Salsa als Wettkampfvariante interessieren. (a.a.O.)

Eure Meinung ist gefragt

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  • Wie ist Eure Meinung zu dem Thema “Salsa und Disco-Fox als Turnier-Tänze”?

 

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1 Kommentar zu „DTV-Pilotprojekt: Disco-Fox und Salsa als Turniertänze I“

  • DTV-Pilotprojekt: Disco-Fox und Salsa als Turniertänze II…

    DTV-Pilotprojekt D+/C+ – Von der Idee in die Wirklichkeit Wie bereits am 14.08. auf turniere-tanzen.de angemerkt, geht es um das editorial des aktuellen Tanzspiegels. Auf einer CONTRA und PRO Seite sind Positionen zum DTV-Pilotprojekt – “D+…

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