Mentales Training: Verbalisieringstechnik

Im Vorfeld der GOC wurde mentales Training von den TänzerInnen sehr geschätzt. Nun stelle ich eine Methode vor: Verbalisieren und Verbalisierungstechnik. Beim Verbalisieren im Tanzsport geht es darum, Folgen und detaillierte Bewegungsabläufe sprachlich zu beschreiben. Geht nicht? Habe ich schon oft gehört und dann gesehen, dass dieselben Personen irgendwo einen Zettel mit einer Auflistung von Figurennamen hatten. Die Folge auf einem Zettel ist schon verbalisieren!

Verbalisieren des Tanzens

Verbalisieren ist die Voraussetzung für ein intensives und systematisches :

  1. Ohne sprachliche Vorstellung wäre Kommunikation nur “körpersprachlich” zwischen den Tanzpartner möglich. Das bietet sehr begrenzte Möglichkeiten zur Kommunikation.
  2. Allgemeine Prinzipien kann nur entdecken, wer eine beschreibende Systematik entwickelt und dann durch Abstraktion die gemeinsamen Grundsätze erkennen, notieren und erinnern kann.
  3. Erst durch sprachliche Beschreibung wird eine Trainingsplanung möglich: So kann benannt werden, was getan werden soll und das Tanztraining einer Zeit oder Zeitraum zugeordnet werden.
  4. Durch treffende Verbalisierung ist eine technische Prüfung und Hilfe möglich: Wer seine Figuren und Folge nicht beschreiben kann, dem nützen weder Technikbücher noch ist er zu gezielten Fragen an Trainer in der Lage. Auch eine “Diskussion” mit dem Partner ist ohne Kenntnis der Begriffe und Verbalisieren der Bewegungsabläufe und deren Details hilfloses “da”, “dort” und “dann”-Gestammel.
  5. Durch Verbalisieren kann besser reproduziert werden: Gefühle können schwer in gleicher Art “wiederholt” werden und es gibt keine Dokumentationsmöglichkeit – Worte und damit z. B. die Bezeichnungen für eine Folge kann dagegen aufgeschrieben werden, z. B. in einem .

Für eine grundlegende Ablehnung der Verbalisierung (sprachlichen Beschreibung im Tanzsport) sind keine durchgreifenden Gründe zu sehen. Das diese oftmals doch geäußert werden, ist eher Unverständnis und steht im Widerspruch zur alltäglichen Praxis auch der Kritiker. Die Ablehnung führt zum Teil zu unnötigen Widerständen, ineffektiven oder zu spätem Einsatz textlicher Beschreibungen und ist schließlich eine für den Lernfortschritt schädliche mentale Abwehrhaltung.

Verbalisierungstechnik (Verbalisierung im engeren Sinne)

Von der allgemeinen Verbalisierung ist die Verbalisierungstechnik als Trainingsmethode zu unterscheiden. Bei der Verbalisierungstechnik im Tanzsport geht es um das sprachliche Veranschaulichen einzelner Folgen und Bewegungsdetails zur konkreten Übung, dem Erlernen oder Widerholung.

  1. Beispiel 1: Rhythmisierung einer Folge, indem 12&3, 1&23, etc. bzw. 1á2,1und2, etc. gezählt wird und unter Vorstellung des Tanzens der Folge Schritte und ihre Synkopierungen im Kopf durchgegangen werden.
  2. Beispiel 2: Die Vermittlung und Vorstellung einer Abfolge des Neigens (Sway) auf “3″ in der einfachen Folge der natürlichen (einfachen) Rechtsdrehung im Langsamen Walzer. So läßt sich durch Verbalisierungstechnik der spätere tatsächliche Bewegungsablauf planen und die so erzielte Ausführungsgeschwindigkeit kann “im Takt” erfolgen.

Grenzen der Verbalisierungstechnik

Verbalisierungstechnik kann die Bewegung und die Übung der Bewegung selbst nicht ersetzen. Diese muss muskulär, motorisch und nervlich gelernt werden. Nur dann ist eine flüssige Bewegung unter Turnierbedingungen möglich. Beginnt das Training aber mit den Ausführungen und ohne Vorstellung des Ziels, ist das Trainingsergebnis zufällig und “planlos”. Auf die Theorie (Verbalisierung und Verbalisierungstechnik) kann ebenso wenig verzichtet werden, wie auf die Praxis (physisches Training).

Persönliche Anmerkung: M. E. werden Theorie und Praxis oftmals zu Widersprüchen hochstilisiert. Das ist im Ergebnis schädlich für ein produktives Training und von der Sache her “unlogisch” (Auch im Wortsinn, falls sich jmd für die Herkunft der Begriffe theorein = gr. geistges Schauen und pragma = gr. gewolltes / geplantes Handeln interessiert. Das Begriffspaar ist aufeinander notwenig bezogen.) Zumindest das Tanzen im Tanzsport hat nichts mit “blindem Tun” gemein und ist nie “nur Kopfdisziplien”.

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