Tanzen, Fitness, Alltag II – Der Tanzsport-Kavalier

Alltags-Kavalier; Bild: Exner

Alltags-Kavalier; Bild: Exner

Alltags- II: Tanzsportler kämpfen zuweilen gegen das schlechte eigene Image: Zu künstlich und geschminkt, verweichlicht, gar keine Sportler und dergleichen Vorurteile mehr. Andere – meiste ältere Menschen beklagen, gar keine Sitte und Anstand; Werte habe der schon längst verloren; alles nur noch Gerenne, Gezerre und gar Rempelei auf der Tanzfläche; es gebe keine Kavaliere mehr! Dagegen hilft nur Zupacken und das Gegenteil im Alltag beweisen: Kavalier sein mit und in Alltags-Übungen. Heute tragen wir die Last der anderen und machen gute Stimmung für den . Ganz heimlich trainieren wir natürlich, ohne dass es jemand merkt.

Alltags--Übung: Koffer-Träger

Ziel ist es, die Armhaltung und den aufrechten Stand zu festigen, d. h. die Muskeln zu trainieren, die für „die gute Haltung“ nötig sind. Man nehme sich dafür den Familien-Einkauf für alle, zwei Wasserkisten, Körbe der Nachbarin, Wäsche aus dem Keller, hilft der netten Omi mit zwei Koffern über die Straße (wenn sie wirklich über die Straße will!). Es ist im Rahmen der Übung auch erlaubt innerhalb des Vereins mit anzupacken: …

Vorzugsweise Stühle rechts und links unter den Arm klemmen oder noch besser mit ein bisschen Körperabstand schleppen. Je länger der Hebel, umso größer die nötige Halte-Kraft und der Trainings-Effekt.

Ziel sollte es sein, zwei Gegenstände rechts und links vom Körper zu tragen und muskulär die Arme vom Körper weg zu spreizen. Dies kräftigt die Schultern.

Weiterhin ist auf den geraden Stand zu achten (wie es der Dummy im Bild gerade nicht tut! Siehe die senkrechte und waagerechte Linie im Foto.)

Varianten & Details zum Training

Viele Tanzsportler meiden eher Übungen in einer Nicht-Trainings-Situation. Das ist so etwas, wie sich nicht die Hände schmutzig machen. Nur das pure Tanz-Training erscheint diesen Puristen als ein wirkliches Tanzsport-Training. Der hilfsbereite Tanzsport-Kavalier, der im Alltag trainiert und dabei zugleich anderen hilft oder eigene Alltags-Arbeit erledigt, ist jedoch klar im Vorteil. Er hat wesentlich mehr „Trainings-Zeiten“, ist nicht auf Hallen angewiesen und baut auch noch die eingangs beschriebenen Vorurteile ab. Jede Variation der Übung, die dies erlaubt ist zulässig!

Insoweit übt die Kavalierstätigkeit eine Gesellschafts-Haltung. Doch es darf nicht übertrieben werden und z. B. ein Anbiedern ist strikt zu unterlassen.

Heimtrainer unerwünscht

Natürlich kann man auch mit Hanteln bzw. Gewichten (z. B. Wasserkisten) oder in einem Fitness-Studio an Maschinen solche Übungen machen. Doch wozu? Der soziale Effekt der Übung – einem anderen Menschen zu helfen – geht dann verloren. Die „Haltung“ allein lässt sich auf viele Weisen trainieren. Besonders schön ist es, dem noch einen Sinn zu geben, anderen damit zugleich zu helfen. Also heißt das im Kern, die Übung ist für Heimtraining nicht geeignet.

Wer allein und zu Hause trainiert wird zwar auch mehr Kraft und eine bessere Haltung bekommen können. Der Abbau der Vorurteile gelingt so aber nicht. Und wer ganz besonders hastig aus Situationen flüchtet, in denen diese Übung auf der Straße – im Verein – oder mit dem Lebenspartner möglich wäre, der hat eines noch nicht ausreichend trainiert: Die innere Kavaliers-Haltung.

Persönliche Anmerkung: Habt ihr den Eindruck, dass hier der eine oder andere kleine Seitenhieb erfolgte? Ironie im Spiel war? Ja, das ist der Fall. Ähnlichkeiten mit dem tatsächlichen Leben, Organisationen, Vorbildern oder gar Politiker sind nicht unbeabsichtigt. Ein anderes Schlagwort als „Humor“ räumen wir diesen Randerscheinungen aber für den Tanzsport nicht ein.

Siegfried

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