Tanzport als Leistungssport: Was heißt bitte Leistung?

Tanzen wollte einmal olympisch werden. Neben der mangelnden Anzahl an Nationen in denen als eigene Disziplin betrieben wird, sind immer wieder die Fragen aufgekommen: Ist Tanzen überhaupt Sport? Was ist dann die Leistung in dieser Sportart? Dabei ist Tanzsport nicht die einzige Sportart, deren Wettkämpfe in der Form von Turnieren ausgetragen werden: Vom Turnen bis zum Eiskunstlauf werden viele „Sportarten“ wesentlich aufgrund der Austragung von

  1. Wettbewerben
  2. durch Schiedsgerichte

bewertet und die Leistung überwiegend oder allein im Vergleich bestimmt. Hier einmal ein Einblick in den Bereich, was als Leistung in den Sportwissenschaften verstanden wird, aus „Trainingswissenschaft – Leistung, , Wettkampf“ von Schnabel, Harre, Krug u. Borde (Sport-Verlag, Berlin; 3. Aufl., 2003, S. 41:

Sportliche Leistungen

und Wettkampfsport

Sportliche Leistungen und ihre Entwicklung waren und sind wesentlich durch den Leis­tungsvergleich im sportlichen Wettkampf be­stimmt. Wie der Sport selbst waren sportliche Leistungen zunächst unmittelbar auf einen Leistungsvergleich ausgerichtet, wie er sich nur im Rahmen der Auseinandersetzung mit anderen Sportlern entwickeln konnte.

In einer Reihe sportlicher Disziplinen – z. B. in der Leichtathletik, im Schwimmen – ist auch ein Ver­gleich mit eigenen, früheren Leistungen möglich und wird dort auch verschiedentlich praktiziert. Das gilt u. a. für Langstreckenschwimmer, die antre­ten, um ihre eigene Rekordzeit etwa für das Durch­schwimmen einer Meerenge zu unterbieten. (…)

Ungeachtet der Bedeutung der engen Bindung des heutigen Leistungsverständnisses an die Entwicklung des sportlichen Wettkampfes gel­ten jedoch auch bestimmte Handlungen bzw. Handlungsfolgen außerhalb von Wettkämp­fen als sportliche Leistungen. Das betrifft

  • Leistungen im Trainingsprozess, d. h. sport­liche Handlungen bzw. Handlungsfolgen außerhalb einer unmittelbaren Wettkampfsi­tuation, die nach den gleichen Kriterien wie Wettkampfleistungen gemessen bzw. bewer­tet werden können;
  • Leistungen im Sportunterricht, d. h. moto­rische, zumeist sportliche Handlungen, die als Ausdruck des erreichten motorischen bzw. körperlichen Entwicklungsstandes und der Realisierung der Zielstellungen von Erziehung und Bildung gelten;
  • Leistungen im Freizeit- und Gesundheits­sport, d.h. sportliche Handlungen innerhalb und außerhalb von Wettbewerbssituatio­nen, deren Hauptanliegen die Bewältigung ei­ner selbst gewählten Anforderung zur Selbst­bestätigung und Selbstverwirklichung als Per­sönlichkeit und die Steigerung oder Erhaltung allgemeiner körperlicher Leistungsfähigkeit und Gesundheit ist;
  • Leistungen im Therapie-, Rehabilitations- ­und Behindertensport, d. h. motorische, weit­gehend sportliche Handlungen, die dem Üben­den wie anderen als Ausdruck des erreichten motorischen bzw. körperlichen Entwicklungs­standes und damit als ein Gradmesser des Er­folges seiner sportlichen Tätigkeit gelten kön­nen.

Die hier getroffene Charakteristik zu den Akzenten des Leistungsbegriffs in den verschiedenen Realisie­rungsbereichen sportlicherTätigkeit ist nicht voll­ständig. Es sollte lediglich ausgedrückt werden, dass auch dort – mit und ohne Wettkampfsituationen -Tätigkeiten ausgeübt werden, die Leistungscharakter tragen. Allerdings bestehen wesentliche Unterschiede der Vergleichsmaßstäbe in der Frage der Bewertung, die eine Handlung zur Leistung macht.

Quelle: „Trainingswissenschaft – Leistung, Training, Wettkampf“ von Schnabel, Harre, Krug u. Borde (Sport-Verlag, Berlin; 3. Aufl., 2003, S. 41

Tanzsport und Leistung

Tanzsport muss also den Vergleich mit anderen Sportarten nicht scheuen, was die Trainigsleistung, motorisch-komplexen Anforderungen z. B. im Schulsport, Ergebnisse im Freizeit- und Gesundheitssport oder als Mittel der Theraope, als Reha- oder Behindertensport angeht.

 

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